Startseite
  Über...
  Archiv
  Titel und Widmung
  Die Idee hinter diesem Blog
  Vorwort
  Teil 1 - Teil 3
  Teil 4 - Teil 9
  Teil 10 - Teil 17
  Teil 18 - Teil 22
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Letztes Feedback


http://myblog.de/fortsetzung-folgt

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Teil 4

Bald darauf zog die Familie Schneider-Hattori nach Deutschland. Kianas Mutter Sonja war sehr darauf erpicht ihre Tochter zu fördern. Zu dieser Förderung gehörte es, dass Kiana bereits mit fünf eingeschult wurde und mit einer Sportart anfangen sollte. Diese erste Sportart, durfte sie sich aber selbst aussuchen. Sie wählte Turnen. Kurz darauf sollte sie auch mit einem Instrument anfangen. Kianas Mutter entschied, dass sie Violine spielen sollte.

Kianas Vater hatte bei der ganzen Sache kein Mitspracherecht. Allerdings versuchte er immer wieder ihre Freizeit mit Dingen zu füllen, bei denen sie nicht ehrgeizig sein, sondern einfach wie ein ganz normales Kind Spaß haben sollte. Schon bald bat sie ihn darum ihr das Zaubern beizubringen. Kiana war fingerfertig und lernte schnell. Yosuke sagte mal zu uns, dass er damals oft das Bild vor Augen hatte, wie Kiana als die größte Magierin Japans gefeiert würde, denn er war sich sicher, dass sie sowohl ihn als auch Toichi Kuroba problemlos überflügeln könnte, wenn sie nur ernsthaft üben würde. Aber nicht das Sie jetzt denken, dass er sie antrieb auf Teufel komm raus das Zaubern zu üben. Nein, er war sich immer bewusst, dass das Zaubern ein Ausgleich zum Training sein sollte und förderte ihr Vergnügen an dieser Beschäftigung.

 

Teil 5

Kiana machte beim Turnen sehr schnell Fortschritte. Ihre sehr ehrgeizige Mutter hatte die Befürchtung, dass das Talent ihrer Tochter nicht zur Genüge gefördert würde und suchte daher nach besseren Turnlehrern. Kiana schaffte etwas, was nur sehr wenige schafften, besonders in dem Alter. Sie wurde beim Deutschen Turnbund aufgenommen.

Damit sie eine bessere Körperbeherrschung lernte und sich nicht zu sehr auf eine Art der Bewegung versteifte hatte Sonja die Idee, dass ihre Tochter noch eine zweite Sportart trainieren sollte. Diesmal hatte Kiana allerdings kein Mitspracherecht und so bestimmte ihre Mutter, dass sie Standardtanz lernen sollte. Auch das lernte sie bei der Gesamtdeutschen Vereinigung. Und genauso wie auch schon vorher beim Turnen zeigte sie hier großes Talent. Die wenigen Jungs ihres Alters die auch Standardtanz lernten, konnten ihr nicht das Wasser reichen, wodurch sie einen zwei Jahre älteren Tanzpartner kennen lernte. Dieser war Finn Müller.

An dieser Stelle möchte ich mein erstes Treffen mit Kiana schildern. Ich war nicht gerade höflich, was mir heute sehr leid tut. Ich war damals sauer, dass man vorhatte mir, dem besten Tänzer meines Kurses, eine Tänzerin zuzuteilen, die gerade erst mit dem Training begonnen hatte. Um zu sehen ob es funktioniert sollten wir zusammen tanzen. Da sie mich noch nie hat tanzen sehen aber wusste, dass ich der beste meines Kurses war, strengte sie sich sehr an. Das Resultat ihrer Bemühungen war, dass sie mich gnadenlos an die Wand tanzte. Doch das merkte sie recht schnell. Und sofort zeigte sich eine Eigenschaft die leider nicht jede Tänzerin hat: sie passte sich immer, automatisch und ohne darüber nachzudenken, perfekt an ihren Tanzpartner an und schaffte es ihn gut aussehen zu lassen, egal wie schlecht er auch tanzte. Sie passte sich also an mich an. Nach diesem Tanz war ich nicht mehr sauer, dass man mir eine blutige Anfängerin zur Tanzpartnerin geben wollte, ich war sauer, dass diese blutige Anfängerin so viel besser tanzte als ich. Wenn ich heute so darüber nachdenke, denke ich, dass ich sie eigentlich gebremst haben muss, dass sie mit einem anderen und besseren Tanzpartner wahrscheinlich viel weiter gekommen wäre. Wobei sie diesen Gedanken wahrscheinlich sofort abschmettern würde, würde ich ihn ihr gegenüber aussprechen. So wurden Kiana und ich jedenfalls Tanzpartner.

 

Teil 6

Auch beim Turnen bekam sie bald jemanden mit dem sie sich in freundschaftlicher Art messen sollte, denn auch wenn wir Tanzpartner und damit ein Team waren, wurden wir beide doch vom Anderen angespornt. Es ging nicht, dass nur einer von uns beiden Fortschritte machte. Wenn einer sich erheblich verbesserte, trainierte der Andere härter, um nicht abgehangen zu werden (meistens war ich es, der von Kianas Erfolgen angespornt wurde). Allerdings war es nicht so, dass verfeindet waren, im Gegenteil, wir waren beste Freunde.

Egal, kommen wir endlich zu ihrem Konkurrenten beim Turnen. Dieser war Leander Schreiber. Ja, genauso wie Finn schon, war auch ich ihr Konkurrent und Freund und auch unsere Freundschaft hat mit Abneigung meinerseits begonnen. Ich kam genauso wie Kiana zum Deutschen Turnbund, weil meine Mutter Angst hatte, dass mein Talent sonst nicht genug gefördert würde. Allerdings war ich damals bereits neun und nicht wie Kiana erst sieben. Ich war es gewohnt, der beste Schüler meiner Turnklasse zu sein, die hauptsächlich aus älteren Kindern bestand. Und dann war da in meiner neuen Turnklasse ein Mädchen, das genauso alt war wie ich, aber besser turnen konnte. Ich war damals noch zu jung, um das zu akzeptieren und sie mir zum Vorbild zu nehmen, also hasste ich sie erstmal. Kiana allerdings ließ sich von meiner Abneigung nicht beeindrucken. Sie war es gewöhnt, dass andere Menschen nicht allzu freundlich über sie dachten. In ihrer damals noch recht naiven Art, gab sie mir immer wieder Tipps, was ich besser machen könnte. Sie hatte eine sehr gute Beobachtungsgabe. Sie musste sich die schwierigsten Bewegungsabläufe nur ein paar Mal aus verschiedenen Perspektiven anschauen und schon konnte sie sie fast perfekt nachahmen. Daher lernte sie recht schnell und konnte anderen helfen. Denn genauso konnte sie auch die Bewegungsabläufe von Anderen analysieren und ihnen sagen wo sie Fehler machten.

Sie hörte nicht auf freundlich zu mir zu sein und mit der Zeit wich meine Abneigung einer Sympathie und wir wurden beste Freunde. Wir spornten uns gegenseitig an. Wir erzählten uns immer sehr stolz, was für einen schwierigen Sprung wir doch jetzt beherrschten oder wie viele Punkte wir beim letzten Wettbewerb bekommen hatten. Aber wir halfen uns auch immer gegenseitig. Sie sagte mir, was ich bei den Übungen falsch machte und ich beschützte sie vor Anfeindungen, zumindest redete ich mir das immer ein.

 

Teil 7

Natürlich lernten Finn und ich uns durch Kiana kennen. Da wir beide uns auch direkt super verstanden, wurden wir Freunde. Ab einem gewissen Zeitpunkt traf man uns fast ausschließlich im Dreierpack an. Wenn ein Wettbewerb stattfand, war der Dritte von uns immer im Publikum anzutreffen, es sei denn er war krank. Aber schon damals gab es einen Bereich in Kianas Leben, den wir nicht richtig verstanden. Zum Teil weil unsere Interessen woanders lagen und zum Teil, weil wir einfach kein Talent in ihm hatten.

Wir haben ja bereits geschrieben, dass Kiana Violine lernte. Es machte ihr wirklich Spaß und sie verlor sich oftmals in der Musik.

Im Zusammenhang mit Musik fielen bei Kiana zwei Dinge auf. Sie fragte oft ihren Geigenlehrer, warum seine Geige denn diesmal vereinzelte Töne höher beziehungsweise tiefer spielte als das letzte Mal. Ihr Lehrer war immer sehr verwundert, wenn er das hörte, da er keinen Unterschied hörte. Das Andere war die Tatsache, dass sie, nachdem sie einige Übung hatte, Lieder, die sie einmal gehört hatte, nachspielen konnte.

Kiana wurde untersucht. Das Ergebnis war, dass Kiana ein absolutes Gehör hatte. Die menschliche Hörleistung kann man in Prozent messen. Man hat mal die Hörleistung eines musikalischen Genies aus Russland gemessen und diesen Wert als 100 Prozent festgelegt. Ab 92 Prozent spricht man von einem absoluten Gehör. Ab 95 Prozent hat man darüber hinaus noch ein photographisches Gedächtnis für Dinge, die man hört.

 

Teil 8

Kiana hatte 97 Prozent. Daher konnte sie auch die kleinsten Höhenunterschiede hören. Sie konnte auch ein Musikstück, das sie hörte, direkt in eine Notenpartitur „umschreiben“ und sich diese bildlich vor ihrem inneren Auge vorstellen.

Dass sie ein photographisches Gedächtnis für alles Gehörte hatte, machte es für ihr Umfeld oft schwer. Man konnte ihr nichts versprechen und später einfach behaupten, man hätte es nie gesagt. Es war zwar schwer, aber es hatte auch einen pädagogischen Wert: man versprach nur Dinge, die man auch halten wollte und konnte. Wobei sie manchmal auch „vergaß“ was jemand gesagt hatte.

Als Kiana zehn war, entschied ihre Mutter, dass man ihr musikalisches Talent fördern müsse. Darum sollte Kiana ein weiteres Instrument lernen. Hierbei konnte sich Kianas Papa wieder durchsetzten. Dank ihm durfte Kiana entscheiden, welches weitere Instrument sie lernen sollte. 90 Prozent der Menschen in ihrem Umfeld dachten, dass sie das Klavier aussuchen würde. Auch die restlichen zehn Prozent hätten nie damit gerechnet, was sie dann tatsächlich wählte. Kiana entschied sich für das Schlagzeug.

Sie spielte Violine und Schlagzeug. Sie denken jetzt vielleicht dasselbe, wie die meisten wenn sie es erfuhren: „aber das passt doch gar nicht zusammen!“ Kiana war ein recht widersprüchlicher Charakter, besonders nachdem sie von den Toten zurückgekehrt war. Sie fand es eine „spannende“ Kombi. So konnte sie klassische Musik genauso wie moderne spielen. Mit dem Schlagzeug konnte sie sich auf den Beat konzentrieren, während sie sich mit ihrer Violine auf die Melodie konzentrierte. Zudem bot das Schlagzeug noch eine Möglichkeit Stress abzubauen. Kiana hatte dafür immer unterschiedliche Methoden gehabt, abhängig davon, was ihr grad zur Verfügung stand und wie schlimm es war. Je nachdem tanzte oder turnte sie oder spielte eben Schlagzeug. Aber nicht nur um Stress abzubauen, sondern auch, wenn sie sauer auf jemanden war. Sie turnte und tanzte für ihre Verhältnisse wirklich schlecht, wenn sie es tat, um negative Gefühle abzubauen, aber trotzdem konnte sie sich auch in diesem Zustand mit anderen messen (einmal gewann sie sogar mit solch einer „Kür“ einen Wettbewerb). Wenn sie Schlagzeug spielte konnte man auch feststellen, inwieweit sie sich wieder gefasst hatte: beim Turnen und Tanzen wurde sie besser, je ruhiger sie wurde und beim spielen wurde sie langsamer. Sie trommelte mit der Bassdrum ihren gefühlten (nicht ihren tatsächlichen) Herzrhythmus, zunächst war es immer ein ständiges traktieren der Trommel und später wurde es immer ruhiger.

 

Teil 9

Kiana war aber nicht nur in sportlicher Hinsicht ein Überflieger, sondern auch in der Schule. Vielleicht ließ sie sich von irgendjemanden ihren Unterrichtsstoff vorlesen und suchte dann später in ihren „mentalen Tonbandaufnahmen“ nach der richtigen Stelle, oder sie war einfach ein Genie (wir haben sie nie gefragt). Egal wie es nun war, sie fing bereits mit elf an zu studieren. Sie studierte im Hauptfach Musik (wie wir bereits im Vorwort geschrieben haben, war sie, nach eigener Auffassung, immer in erster Linie Musikerin und keine Sportlerin) und im Nebenfach Mathematik.

Im Musikstudium hatte sie einen Gesprächspartner gefunden, der vieles was wir nicht verstanden, verstehen konnte. Genya Domoto war ein japanischer Austauschstudent. Sein Vater war ein berühmter Pianist und auch ihn schlug es in Richtung Musik.

Genya konnte Kianas Leidenschaft für Musik verstehen – eine Leidenschaft, die wir zwar immer bewunderten, aber nicht nachvollziehen konnten – und er konnte ihren japanischen Hintergrund verstehen. Er konnte sich einigermaßen vorstellen, was es bedeutete ein Kind in Japan zu sein, dass seinen Vater nicht kennt und dessen Verhältnis zu seinem Papa nicht wirklich akzeptiert wird. Und im Gegensatz zu den anderen Kommilitonen, hatte er kein Problem damit, dass Kiana noch so jung war und trotzdem mit ihm studierte.




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung