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Teil 18

Die Schuldgefühle lasteten schwer auf ihr. Sie dachte damals sogar über Selbstmord nach, nur um ihnen zu entkommen. Und sie hätte es problemlos geschafft. Sie hätte sich auf zig verschiedene Arten umbringen können, ohne auch nur ein Hilfsmittel zu benötigen. (bei vielen davon handelte es sich um Akupressur). Aber dann siegten ihre Schuldgefühle auf eine andere Art. Sie fasste den Plan sich vor einem Gericht dafür zu verantworten, was sie getan hatte. Nachdem sie ihre gerechte Strafe verbüßt hatte, könnte sie sich ja immer noch das Leben nehmen.

Sie kehrte nach Hause zurück. Sie kehrte zu ihren Eltern zurück, die seit zwei Jahren versuchten, damit zu leben, dass ihre Tochter tot war. Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, was Sonja und Yosuke empfanden, als vor ihrer Tür ihre totgeglaubte Tochter stand. Sie selbst wissen es auch nicht mehr. Es war viel zu viel auf einmal und durcheinander. Aber sicher waren Gefühle wie Unglauben und Erleichterung dabei.

 

Teil 19

Sie bestürmten sie mit Fragen zu ihrem Verbleib während der letzten beiden Jahre und riefen die Polizei. Kiana erzählte damals die Wahrheit, zumindest in Teilen. Sie erzählte von dem gefakten Trainingscamp, der Entführung, der Folter und nach einiger Zeit auch von den Aufträgen. Sie erzählte die Geschichte vielen Menschen. Sie erzählte sie ihren Eltern, der Polizei und auch uns. Doch niemand glaubte ihr. Niemand wollte ihr glauben, dass sie Menschen getötet hatte. Ihre Eltern schickten sie schon bald zu einem Therapeuten. Einem ziemlichen Idioten. Bald sah Kiana ein, dass sie die Menschen in ihrer Umgebung nur beunruhigte und das auf eine Art, wie sie es niemals gewollt hatte. Sie überlegte sich eine neue Erklärung. Von da an, erzählte sie, dass sie damals vor dem Feuer fliehen konnte, aber ihr Gedächtnis verlor. Mit der Zeit hätte sich ihr Gedächtnis wieder eingestellt und sobald sie wusste, wer sie war, kam sie nach Hause.

 

Teil 20

Bald nach ihrer scheinbaren Genesung „spornte“ Sonja ihre Tochter an, mit dem Sport weiter zu machen. Da Finn in den zwei Jahren eine neue Tanzpartnerin zugewiesen wurde, konzentrierte man sich zunächst auf das Turntraining, bis man einen neuen Tanzpartner gefunden hatte. Kiana wollte eigentlich keinen Sport mehr machen (zumindest nicht auf diesem Niveau), denn sie lebte in der ständigen Angst, dass Mitarbeiter des Centre vor ihrer Tür stehen könnten, um sie wieder mitzunehmen. Bei ihrem, ersten Wettbewerb, nachdem sie wieder unter den Lebenden weilte, versagte sie. Sie war nicht nur nach ihren Maßstäben miserabel, sondern WIRKLICH schlecht. Welchen Anteil dabei die Angst vor dem Centre und welchen Anteil ihr Wunsch hatte, wissen wir nicht.

Sie hatte einen mehr oder minder neuen Plan gefasst. Sie verschob das Sich-vor-Gericht-Verantworten. Sie wollte erst einmal ein normales Leben leben und dann Beweise für ihre Geschichte sammeln und sich dann stellen.

 

Teil 21

Nur wie sollte sie ihre Mutter dazu bringen, ihr zu erlauben mit dem Sport aufzuhören und somit ihre Karriere an den Nagel zu hängen? Sie suchte sich einen mächtigen Verbündeten: Sie überzeugte ihren Papa. Und dieser machte Sonja klar, dass er auch ein Mitspracherecht habe. Nach vielen Diskussionen hatte Kiana ihr Etappenziel erreicht. Sie durfte ihre Sportkarriere beenden. Allerdings musste sie fortan damit leben, dass ihre Mutter sie mit einem enttäuschten Blick ansah.

 

Teil 22

Sie verabschiedete sich nicht von vielen Sportlern. Eigentlich verabschiedete sie sich nur von uns beiden. Sie hatte es nie geschafft, in den Anderen Freunde zu sehen. Wir wollten sie davon abhalten aufzuhören, sie überreden weiter zu machen. Aber instinktiv wussten wir, dass es nichts bringen würde, dass sie fest entschlossen war. Irgendwie wussten wir auch, dass sie erst einmal den Kontakt zu uns abbrechen wollte. Deshalb nötigten wir ihr einige Versprechen ab. Unter anderem, dass sie sich irgendwann wieder bei uns melden muss, dass sie immer ein Foto von uns bei sich tragen muss und einen letzten Tanz. Der letzte Tanz, den Kiana und Finn trainierten (bevor sie entführt wurde) war zu dem Lied „save the last dance for me“ Bei diesem Abschied musste sie mir dann versprechen, dass wir zu diesem Lied irgendwann einmal vor einem Fachpublikum tanzen werden, indem vollen Bewusstsein, dass es unser letzter Tanz vor solch einem Publikum sein wird.

Sie versprach uns all das und gab uns sogar ein Versprechen oben drauf. Sie versprach uns, dass wenn wir beide irgendwann in Zukunft mal richtig große Sportler seien, sie zu uns kommen und uns um ein Autogramm bitten würde, und wir sie dann nicht erkennen würden. Und so verschwand Kiana ein weiteres Mal aus unserem Leben. Und schon wieder vermissten wir ein Mädchen, dass wir zunächst gar nicht in unserem Leben wollten. Aber diesmal wussten wir, dass sie nicht tot war.




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